Advent im Münster


Sein inzwischen schon zur Tradition gewordenes Adventsingen veranstaltete der „Förderkreis für Kirchenmusik in Obermarchtal“ am 1. Advent nachmittags im Münster. Zahlreiche Zuhörer folgten der Einladung und ließen sich von den verschiedenen Gruppen des Förderkreises in die Advents- und kommende Weihnachtszeit einstimmen. „Wir sagen euch an, den lieben Advent“ klang es gleich zu Beginn aus den Kehlen der jungen Buben und Mädchen des unter der Leitung von Hedi Miller-Saup musizierenden Sing- und Spielkreises. In Ihrer Begrüßung ging Anne Bauer, Vorstand des Kirchenchores Obermarchtal auch auf adventliche Themen ein.

Mit den Liedern „Was kann in diesen Tagen“ und „Ein Licht macht uns froh“ setzte der Sing- und Spielkreis das Programm fort und es war zu hören und zu sehen, wie gut sich die Kinder auf diesen Auftritt vorbereitet haben und welche Freude es ihnen machte, auch einmal vor größerem Publikum aufzutreten. Besonders gefielen die beiden jungen Solisten Markus Fuchs und Christoph Wiker, die so selbstverständlich vor das Mikrofon traten, wie wenn nichts einfacher wäre als dies.

Mit „Stern in dunkler Nacht“ und „Der Himmel ist nicht oben“ wagten sich die Mädchen und jüngeren Frauen der Godi-Gruppe, begleitet von Ester Saup am E-Piano und Regina Branz mit der Querflöte, an den mehrstimmigen Gesang, was von den Zuhörern mit Freude aufgenommen wurde. Elke Branz leitet schon seit über 10 Jahren diese Gruppe.

Musik aus einer ganz anderen Zeitepoche, nämlich des Barock, stand nun mit dem 1. (Andante) und 3. (Allegro) Satz aus der Suite Nr. 1 von Georg Philip Telemann auf dem Programm. Die Interpreten waren der Organist Raphael Buck, der erst kürzlich sein C-Examen an der Musikschule in Rottenburg erfolgreich absolvierte und der Trompeter Christian Wolf aus Altheim bei Riedlingen. Beide jungen Musiker passten sich bestens an die räumliche Akustik an und es bleibt zu hoffen, dass dies nicht der letzte Auftritt im Obermarchtaler Münster gewesen sein sollte.

Das bekannte 6-stimmige „Machet die Tore weit“ von Andreas Hammerschmidt (1612 –1670) war der erste Beitrag der Instrumentalgruppe, die unter der Leitung von Frau Hedi Miller-Saup steht. Die Instrumentalgruppe in der Besetzung verschiedener Flöten und Cello brachte anschließend „Bourrée - La Paix - La Réjouissance - Menuet I und II“ von G.F. Händel zu Gehör.

Nun folgte der Auftritt des Kirchenchores, der mit dem Chorsatz des „O Heiland, reiss die Himmel auf“ auf die nahe Ankunft des Herrn einstimmte. Im folgenden, in „dissonanter Harmonik“ gesetzten Lied „Die Nacht ist vorgedrungen“ wurde das Sehnen von der dunklen Nacht zum hell erleuchteten Tag in dem eindrucksvollen Text von Jochen Keppler, der diesen im Vorkriegsjahr 1938 schrieb, musikalisch beschrieben. „Veni, Veni Emanuel“ - O komm, o komm Emanuel, nach dir sehnt sich dein Israel... Die Botschaft dieses alten und doch immer aktuellen Textes hat Zoltan Kodaly (1882-1967) wirkungsvoll in einen 3 – 4stimmigen Chorsatz arrangiert. In einem folgenden kurzen Text wurde auf die Rolle der Gottesmutter Maria im Advent und besonders im Magnificat eingegangen. Diesen Text ergänzte der Chor durch das norwegische Marienlied „Gottes Lob wandert“ verbunden mit der Aussage: Den Herrn preist meine Seele. Ich freue mich, dass er mein Retter ist. Das bekannte Adventslied „Maria durch ein Dornwald ging“ wurde im ersten Vers in überzeugend darbebotener Ausdrucksstärke solistisch von dem aus Schlechtenfeld stammenden Tenor Alfons Stiehle vorgetragen, bevor in den 2 weiteren Versen der Chor begleitete. Als weiteres Solostück war das Marienlied „Ave te Virgo Maria“ zu hören. Die Interpreten waren Alfons Stiehle und der Leiter des Kirchenchores, Helmut Striegel. Mit dem, in dreistimmigem Frauenchor beginnenden Jesajatext: „Siehe, eine Jungfrau wird empfangen“ wurde schon auf die Liturgie des hl. Abends eingegangen. Der letzte Beitag des Chores war dem Propheten Ezechiel gewidmet, der in seiner Heilsbotschaft das Leben der Reise eines Flusses beschreibt, der immer weiterzieht. Gudrun Wanek, Lehrerin am hiesigen Studienkolleg hat aus dieser Botschaft eine Sprechballade entwickelt, die einen Vergleich von der alttestamentailschen Version zur Istzeit beschreibt. Vorgetragen wurde dieser Text von Gudrun Wanek und Rita Fundel in schön gegliederter und verständlicher Weise.

Der Kirchenchor mit den Solisten Alfons Stiehle, Tenor - Sebastian Striegel, Posaune und Dennis Stelter, E-Gitarre trug anschließend den eindrucksvollen Chorsatz, „Einmal sieht Ezekiel“ in einer zeitgemäßen Bearbeitung vor. Dieses Lied von der Hoffnung oder Vom flüssig gewordenen Tempel entwickelt sich wie ein Fluss von der Quelle bis zur Mündung. Musikalisch wurde dieser Effekt mit einer leisen Gitarreneinleitung, Tenorsolo, gefolgt vom sauber intonierten Posauneneinsatz über 2 – 4stimmigen Chor erzielt, der zum Schluss in einen strahlenden D-Dur Dreiklang mündet. Dieses Lied zeigt, dass es sich auch für kleinere Chöre lohnt, moderne Chorliteratur auszusuchen, die schon beim Einüben für eine erwartungsvolle Spannung sorgt.

Das Adventsingen endete mit dem von allen Anwesenden gesungenen alten Kirchenlied: „Es kommt ein Schiff geladen....“ Danach durften sich die Akteure über den netten Beifall freuen, der für die wochenlange Probenarbeit belohnte.

 


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