Schwäbische Zeitung Ehingen Datum: 17.09.2004

„Koba-Brass“ in der Klosterkirche

Bläser spielen Orgelmusik

OBERMARCHTAL – „Koba-Brass“, ein Blechbläserensemble hervorragender Qualität, hat am Mittwoch eine Stunde lang in der Obermarchtaler Klosterkirche musiziert. Zum Vortrag kam Barockmusik, darunter Orgelwerke von Bach, in transparenten Arrangements.

Von unserem Mitarbeiter Kurt Efinger

Ungewöhnlich war der Termin, ungewöhnlich der Anlass. Dr. Carlo Mehnert, Chef des Gregor-Mendel-Laboratoriums in Neu-Ulm, wollte seiner Belegschaft zum Abschluss des Betriebsausflugs ein besonderes Geschenk offerieren: barocke Musik im barocken Raum. Beides vermittelte ihm der Neu-Ulmer Musiker Wolfgang Kobel. Er engagierte „Koba-Brass“ für eine Musikstunde im Obermarchtaler Münster. Das Ensemble besteht aus Egbert Lewark (Trompete), Walter Brusniak (Trompete), Richard Schneider (Horn), Ingo Nietert (Posaune) und Warold Nardelli (Tuba).

So kam es, dass am Mittwoch zwischen 16 und 17 Uhr annähernd vierzig Zuhörer der für Blechbläser arrangierten Musik lauschten und am Schluss begeistert applaudierten. Die fünf teils in Orchestern angestellten, teils freiberuflichen Musiker nahmen vor dem Hochaltar im ehemaligen Mönchs-Chor und somit weit weg vom Publikum Platz.

Von ferne schallte und hallte es feierlich, als „Koba-Brass“ das erlesene Barockprogramm mit einem Rondeau von Jean-Joseph Mouret (1682 - 1738) eröffnete. Vollends wie Orgelklang, nur viel durchscheinender ertönte Johann Sebastian Bachs Choralbearbeitung zu „Jesu bleibet meine Freude“ (aus BWV 147). In ebenso eindringlicher Klarheit erklang Bachs Praeludium und Fuge in e (BWV 555). Lebendige Bewegtheit durchströmte Contrapunctus 9 aus Bachs „Kunst der Fuge“. Die populäre „Air“ aus der Suite Nr.3 in D-Dur rundete die Bachauswahl ab.

Einen ordentlichen Generalbass legte Harold Nardellis Tuba in der Sonata in B von Giuseppe Battista Sammartini (1700 - 1775) mit in den Schlussakkkorden tiefgründig brummendem Ton hin. Ein original Blasmusikwerk war Matthew Lockes (um 1630 - 1677) „Five-Part Things for the Cornets“ aus „Music for His Majesty‘s Sackbuts and Cornets“.

Händels volkstümlicher Schlager, das Larghetto „Ombra mai fu“, in selten schöner Schlichtheit war ein weiteres Zugeständnis an einfachere Hörgewohnheiten. Andächtigen Charakter hatte die kurze Sonatina 24, eine Bearbeitung des Chorals „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr‘“ des Leipziger Stadtpfeifers Johann Gottfried Reiche (1667 - 1734). Die in jeder Hinsicht sauber geblasene Sonata Op.1, Nr. 3 von Tommaso Albinoni (1671 - 1750) füllte den hohen Raum zum Schluss noch einmal mit festlicher Musik. Als Zugabe nach begeistertem Applaus spielte das Ensemble etwas ganz Anderes, nämlich unkirchlich den New-Orleans-Jazztitel „Just a Closer Walk“.

Datum: 17.09.2004