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Porträt: Josef Fleschhut
Der Musik-Missionar
BAD WURZACH - Josef Fleschhut hat zwar wenig freie Zeit, aber er
ist ein freier Mensch. Seit 14 Jahren lebt der 61-Jährige auf
Teneriffa – jedoch nicht um als Aussteiger seinen Lebensabend am
Strand zu verbringen. Der ehemalige Diözesanmusikdirektor und Leiter
der Kirchenmusikschule Rottenburg baut dort die Kirchenmusik auf –
und zwischendurch konzertiert er in der alten Heimat.
Von unserem Redaktionsmitglied Eva Schatz
Es muss ein radikaler Bruch gewesen sein. Viele hätten ihn damals
nicht verstanden, schildert Josef Fleschhut. Warum sollte ein Mann
den Posten als Chef der Kirchenmusik einer Diözese mit 1100
Pfarreien aufgeben, um auf eine kanarische Insel auszuwandern, wo
der Sonntagsgottesdienst mangels Orgel mit Gitarren begleitet
wird?
Seine Arbeit hatte Fleschhut schließlich mit Leidenschaft zehn
Jahre lang getan. Auch die 16-Stunden-Tage durch seinen Doppel-Beruf
machten ihm nichts aus. Zudem unterstützte ihn das Domkapitel, „und
ich habe einen sehr großzügigen Etat gehabt“. Ideale Bedingungen –
nur zum Orgelspielen kam er kaum. „Beim Kapitelgottesdienst morgens
um sieben oder bei Mai-Andachten konnte ich als Aushilfe
spielen.“
In vielen Berufen daheim
Nach zehn Jahren Schreibtischarbeit wollte sich Josef Fleschhut
wieder ganz der Kirchenmusik zuwenden. Schon als Kind hatte ihn beim
Gottesdienst am meisten die Musik fasziniert. „Bei aller
Andacht waren meine Ohren eher hinten bei der Orgel als vorne beim
Altar“, gesteht der Mann mit dem Bürstenhaarschnitt und lacht
spitzbübisch. Als Achtjähriger bestürmte er seine Eltern, ein
Klavier zu kaufen. Eine große Investition, und „so kurz nach dem
Krieg hat mein Vater darin keine Zukunft gesehen“. Als einziger
Junge von fünf Kindern sollte Josef Fleschhut die Autowerkstatt
seines Vaters übernehmen, „aber das fand ich katastrophal“. Lieber
verbrachte er jede freie Minute auf der Empore.
Immer öfter durfte der Schuljunge die Organistin
vertreten – nach nur einem Jahr Klavierunterricht. Die Kirchenlieder
probierte er so lange auf seinem Klavier aus, bis die Akkorde
stimmten. Sein Talent war offensichtlich: „Der Pfarrer und der
Lehrer haben dann beschlossen, dass ich aufs Gymnasium muss.“ Aber
an ein Musikstudium war aus finanziellen Gründen nicht zu denken.
Ein Brotberuf musste her, Josef Fleschhut begann als
Schriftsetzer bei der Memminger Zeitung. Es sollte nicht der letzte
Abstecher auf seinem Berufsweg sein. Schließlich machte er eine
weitere Ausbildung als Kämmerer in Legau – denn die Gemeinde
engagierte ihn gleichzeitig als Chorleiter. „Das Rathaus war der
Nebenjob, der Chor war die Hauptsache“, gesteht Josef Fleschhut
freimütig.
Die große Wende kam erst mit 32 Jahren: Ein
Professor der Münchner Hochschule für Musik hörte ihn spielen und
überredete ihn, die Aufnahmeprüfung an der Hochschule zu machen.
Jetzt konnte sich Josef Fleschhut seinen Traum vom Musikstudium
erfüllen – indem er bei der Memminger Zeitung jobbte und abends
Tanzmusik machte. Nach seinem Staatsexamen arbeitete er als
Kirchenmusiker und Chorleiter in Memmingen, Bad Wurzach sowie
Leutkirch und gestaltete über lange Jahre hinweg landauf, landab
angesehene Konzertreihen. „Da war ich sehr glücklich“, sagt er
rückblickend.
Tübinger Orgel für die Insel
Nach zehn Jahren im Dienst der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist
er auf Teneriffa wieder sein eigener Herr. Mehr Freizeit hat dieser
Musik-Missionar aber nicht. Schließlich musste Josef Fleschhut erst
eine Orgel für seine Gemeinde Los Cristianos organisieren. Und
obwohl man in der Diözese über seinen Weggang nicht gerade erfreut
war, habe man ihn dann doch finanziell unterstützt. Seit 1992 hat
Los Cristianos eine elektronische Orgel. Durch ein zinsloses
Darlehen der Diözese und Spendenkonzerte konnte Fleschhut 1994 eine
ausrangierte Orgel der Gemeinde Tübingen kaufen. Damit besitzt die
Gemeinde El Médano die größte spielbare Pfeifenorgel der Kanaren.
Neben seiner Arbeit als Organist unterrichtet Josef Fleschhut bis zu
42 Orgelschüler. Für Hobbies bleibt da keine Zeit. „Ich denke dann
immer, in der Zeit könntest Du ja auch üben.“
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