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Die Holzhey - Orgel in Obermarchtal

Eines der Glanzstücke in der Ausstattung der Stiftskirche St. Peter und Paul ist unbestritten die denkmalgeschützte Hauptorgel. Johann Nepomuk Holzhey, der Erbauer dieses wertvollen Instruments, wurde am 26. Februar 1741 in Rappen bei Ottobeuren getauft und starb am 18. September 1809 in Ottobeuren.

Holzhey lernte zunächst das Handwerk des Orgelbauers bei seinem Onkel Alexander Holzhey, der 1758 die Brixener Domorgel vollendete. 1766 übernahm der 25-jährige Holzhey die Werkstatt seines Schwiegervaters Joseph Zettler in Ottobeuren, das somit auch zu seinem festen Wohnort wurde. Wohl noch als Geselle hatte er bei Carl Joseph Riepp (1710-1775) gearbeitet, als dieser die heute weltberühmten Chororgeln in Ottobeuren erbaute. Riepp und Joseph Gabler (1700-1771) aus Ochsenhausen waren die bekanntesten Orgelbauer im süddeutschen Raum. Zu ihnen gesellte sich als schwäbische Größe Johann Nepomuk Holzhey.

Leider hatte die Säkularisation (1803) den oberschwäbischen Orgelbau lahmgelegt. Bis dahin war Holzhey mit mehr als 40 erbauten Orgeln einer der produktivsten süddeutschen Orgelbauer. Die letzten Jahre seines Lebens musste "der in Schwaben berühmteste Orgelmacher" den Niedergang seines Handwerks erleben. Er selbst wurde zum bloßen Reparaturtischler.

Holzhey errichtete die Marchtaler Hauptorgel zwischen 1782 und 1784. Die geradezu verspielte Leichtigkeit des Prospekts und der Brüstung stellt einen reizvollen Kontrast zu dem schweren, wuchtigen Hochaltar dar, der knapp 100 Jahre früher entstanden war. Die Orgel, Holzhey´s erstes Großinstrument mit 41 Registern auf drei Manuale und Pedal verteilt, umfasst ca. 3250 Pfeifen. Etwa 70 % der Orgelpfeifen sind im Originalzustand erhalten geblieben (Mixturen, Prinzipale, Flöten, Streicher und die aliquotegebündelten Register Cornett, Sesquialter und Hörnle). Die Zungen wurden auf Originalmensur von der Firma Reiser (Biberach/Riß) nachgebaut und ersetzt.

Zum prinzipalgeladenen Hauptwerk kommt ein farbiges Oberwerk hinzu (dünner Prinzipalchor). Das dritte Manualwerk ist ein sogenanntes Echowerk. Im Untergehäuse der Orgel, durch Türen verschließbar, bildet es eine Art Brustwerk, das den norddeutschen Brustwerken ähnelt und in den Cornettspitzen gipfelt. Die Pedale (Cornett 4' im Pedal) weisen stark französischen Einschlag auf. Erwähnenswert ist, dass die Orgel in Obermarchtal in der Registerdisposition mit der Weißenauer Hauptorgel fast übereinstimmt.

Holzhey-Orgeln bilden eine Mischung des Gabler- und Riepp-Stils. Mit Holzhey hat sich der Wandel von der Spätbarockorgel zum klassizistischen Instrument vollzogen. Klassizistische Vornehmheit charakterisiert auch ihren Klang. Die Orgelprospekte seiner wichtigen Werke in Weißenau (um 1780), Obermarchtal und Rot an der Rot (1785-1793) lassen diesen Wandel auch stilistisch nachvollziehen. Mit Holzhey ist das sogenannte Rückpositiv außer Gebrauch gekommen. Nur in seinen Frühwerken kommt es noch vor (Ursberg).

Der Süddeutsche Orgelbau ist sowohl vom italienischen, als auch vom französischen Stil stark beeinflusst. Durch die geographische Lage Obermarchtals werden die Einflüsse dieser benachbarten Orgellandschaften spürbar. Carl Joseph Riepp hatte sich ganz der französischen Schule des Orgelbaus angepasst. Vollständig ausgebaute Pedalpyramiden, ergänzt durch die farbigen Charakterstimmen und den freistehenden Spieltisch, kennzeichnen diesen Orgeltypus, Gegenüber der norddeutschen Orgel sind die Pfeifenmensuren im allgemeinen enger und der Klang ist weicher. Der Anteil der Zungenstimmen ist geringer, schnarrende Zungen wie Regale fehlen, statt dessen werden weiche, expressive Zungenstimmen (vox humana) bevorzugt. Der Klang der Holzhey-Orgeln bleibt bei aller Gravität hell und mild.

Bereits zwischen 1777 und 1779 hatte Holzhey die Chororgel der Stiftskirche mit 24 Registern, zwei Manualen und Pedal errichtet. Dieses Werk wurde leider um 1900 ausgebaut und existiert heute nicht mehr,

Richard Fischer, Organist

Disposition:

Hauptwerk   Hinterwerk   Kornettwerk   Pedal  
               
Prästant 16' Prinzipal 8' Gedackt 8' Subbaß 16'
Prinzipal 8' Rohrflöte 8' Dulcina 8' Oktavbaß 8'
Coppel 8' Salicional 8' Spitzflöte 4' Violinbaß 8'
Viola 8' Flaut travers 8' Fugara 4' Cornettbaß 4f  
Gamba 8' Unda maris 8' Flageolett 2' Posaune 16'
Qintatön 8' Oktav 4' Kornett 4f 4' Trompete 8'
Oktav 4' Flöte 4' Vox humana 8' Clairon 4'
Superoktav 2' Sifflöte 2'        
Nasard 2 2/3' Quinte 2 2/3'        
Sesquialter 22/3'+2' Hörnle 2'+13/5'        
Mixtur 5f 2 2/3' Fagott-Oboe 8'        
Cornett 3f 2 2/3' Cymbel 5f 2'        
Trompete  8'            
Clairon 4'            

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